Der Bahnhof Neuhof

Das "Bockala nach Naala"

Mit der Eröffnung der Lokalbahn von Hof über Naila nach Marxgrün 1887 und der Weiterführung der Strecke bis Bad Steben 1898 begann die industrielle und touristische Erschließung des östlichen Frankenwaldes.

Im traditionellen Heimwebergebiet siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe, namentlich der Textil-, aber auch der Steinindustrie an.

Sie profitierten von der Eisenbahn, als diese in der Mittelgebirgslandschaft als leistungsfähiges Verkehrsmittel noch konkurrenzlos war. Mit der Höllentalbahn ab Marxgrün wurde 1901 auch der Anschluss an das thüringische Eisenbahnnetz hergestellt.

 

Auf Grund der rasch steigenden Bedeutung des Bahnhofs Neuhof musste bereits 1913 ein neues Empfangsgebäude errichtet werden, das in seinen Grundzügen heute noch besteht.

Das weitläufige Areal mit zahlreichen Gleisen wurde bis weit nach dem 2. Weltkrieg für einen lebhaften Güterverkehr genutzt. Bei seiner Einstellung im Jahre 1994 wurde auch der Bahnhof geschlossen; das Gebäude dient seitdem als Jugendverbändehaus.

Auf der Strecke verkehren seit dieser Zeit nur noch Personenzüge, seit 2011 ausschließlich Dieseltriebwagen des Unternehmens „Agilis“. Geblieben ist die nostalgische Erinnerung an die Kurswagen, die einst das Staatsbad Steben über Hof unmittelbar mit dem Rheinland verbanden.

The opening of the local railway line from Hof via Naila to Marxgrün in 1887 and the extension of the line to Bad Steben in 1898 marked the beginning of industrial and tourist development in the eastern Franconian Forest. Numerous industrial companies, particularly in the textile and stone industries, settled in this traditional home weaving area.

They benefited from the railway, which was still unrivalled as an efficient means of transport in the low mountain range landscape. The Höllentalbahn railway from Marxgrün also provided a connection to the Thuringian railway network in 1901.
Due to the rapidly growing importance of Neuhof railway station, a new station building had to be constructed in 1913, the basic features of which still exist today. The extensive area with numerous tracks was used for lively freight traffic until well after the Second World War.

When it was discontinued in 1994, the station was also closed; since then, the building has served as a youth club. Since then, only passenger trains have run on the line, and since 2011, exclusively diesel railcars operated by the company ‘Agilis’. What remains is the nostalgic memory of the through coaches that once connected the Staatsbad Steben via Hof directly with the Rhineland.

S otevřením místní železnice z Hofu přes Nailu do Marxgrünu v roce 1887 a prodloužením trati do Bad Stebenu v roce 1898 začalo průmyslové a turistické rozvíjení východní části Franckého lesa. V tradiční oblasti domácích tkalců se usadilo mnoho průmyslových podniků, zejména textilních, ale také kamenických. Tyto podniky těží z železnice, která v této středohorské krajině dosud neměla jako výkonný dopravní prostředek konkurenci. V roce 1901 bylo díky železnici Höllentalbahn z Marxgrünu také zajištěno napojení na durynskou železniční síť.
Vzhledem k rychle rostoucímu významu nádraží Neuhof musela být již v roce 1913 postavena nová nádražní budova, která v zásadě existuje dodnes. Rozlehlý areál s četnými kolejemi byl až dlouho po 2. světové válce využíván pro živou nákladní dopravu. Po jeho zrušení v roce 1994 byla uzavřena i stanice; budova od té doby slouží jako dům mládeže. Od té doby na trati jezdí pouze osobní vlaky, od roku 2011 výhradně dieselové motorové vozy společnosti „Agilis“. Zůstala jen nostalgická vzpomínka na přímé vagony, které kdysi spojovaly státní lázně Steben přes Hof přímo s Porýním.

Nicht nur Lokalbahn von Hof in den Frankenwald

„Bockala von Naala/ Hot krumma Baala/ Bockala vom Vogelherd/ Ist kan Heller wert.“

Dieser Spottvers des Volksmundes offenbart die geringe Wertschätzung durch die „kleinen Leute“, die auf die Bahn zwischen dem Frankenwald und Hof angewiesen waren, oft aber an ihrer Zuverlässigkeit zweifelten.  Dabei weist diese Lokalbahn eine Erfolgsgeschichte auf, die sie von den meisten Nebenbahnen in Oberfranken unterscheidet. 1886 zunächst auf der Strecke von Hof über Selbitz und Naila bis Marxgrün eröffnet, fuhr die Bahn spätestens 1898 mit dem Schienenanschluss des bayerischen Staatsbades Steben in die Gewinnzone.

Eigentliches Ziel des Eisenbahnbaus war jedoch der Anschluss an das thüringische Eisenbahnnetz, das 1901 mit der Verbindung Marxgrün – Blankenstein erreicht war. So

konnte man von Hof aus durch das Höllental mit dem Zug nach Saalfeld fahren, wo Anschluss an die Fernbahn nach Berlin bestand. Die Erschließung des Frankenwaldes durch die Bahn komplettierten 1910 die Verbindung Naila – Schwarzenbach/Wald und 1924 die Linie Selbitz – Helmbrechts.

Große Pläne für eine kleine Bahn?

Aus dem „Programm für das Netz der Südost-Thüringischen Eisenbahnen“ von Eisenbahnbaumeister F. Plessner, Berlin, im Februar 1869:

„Nachdem durch den Bau der in kurzer Zeit ihrer Vollendung entgegengehenden Eisenbahnen von Northeim über Nordhausen nach Erfurt und von Leinefelde nach Gotha das gesamte Nordwestdeutsche Eisenbahnnetz sich auf den Mittelpunkt Thüringens „E r f u r t“ zusammenspitzt und gleichzeitig von allen Seiten des Kaiserstaates Oesterreich grosse neue Schienenwege das Nordwestliche Böhmen durchschneidend, ihren Ausgangspunkt in Eger und H o f suchen, fehlt nur noch das Verbindungsglied durch das südöstliche Thüringen, um dieses Land zu einer Durchgangsstrasse für einen grossartigen Verkehr zu machen und ein Netz von kleinern Anschlussbahnen an diese Hauptverbindungsader, um den genannten Landestheil in engere Beziehung zu dieser und dem Weltverkehr zu bringen. 

Die Hauptlinie von E r f u rt  b i s  H o f ist von so eminenter merkantiler Bedeutung, dass nichts nöthig ist, als auf die Eisenbahnkarte Deutschlands hinzuweisen, um sie als eine Bahn erster Klasse zu erkennen, welcher ein ebenso und noch viel grösserer Verkehr zufallen muss, als der Linie von Prag nach Dresden und von Hof nach Leipzig, deshalb ist sie auch als Voilbahn oder Bahn I. Klasse gedacht, während die anderen Linien, mit Ausnahme der Saalbahn, um sie finanziell möglich zu machen, als Sekundärbahnen gedacht werden können.“

(Quelle: Stadtarchiv Hof A Nr. 19892 Akten Stadtmagistrat)

Die Blütezeit der Frankenwaldbahn

Auch wenn die Vorstellungen des Eisenbahnbaumeisters Plessner Wunschtraum blieben, so besaß die Lokalbahn von Hof aus eine eminente Bedeutung für die industrielle und touristische Entwicklung für den östlichen Frankenwald, solange es noch keine gut ausgebauten Straßen und leistungsfähige Kraftfahrzeuge gab.

Und natürlich gingen auch wichtige wirtschaftliche Impulse vom Bahnhof Neuhof aus. Dank seiner Lage auf einem Hochplateau konnten sich hier neue Betriebe besser entwickeln als im engen Saaletal und im dicht bebauten Gebiet der Stadt Hof. So siedelten sich u. a. der Schlacht- und Viehhof (1894), die Zwirnerei Koch (1897) und die Spinnerei Neuhof (1898) sowie die BayWa an. Bereits 1913 musste das erste Empfangsgebäude von 1887 durch einen wesentlich größeren Neubau ersetzt werden. Insbesondere an den Wochenenden gab es einen regen Verkehr von Ausflüglern in den Frankenwald und nach Thüringen.

 

Kein Zufall war es auch, dass 1936 der damalige Oberbürgermeister Dr. Richard Wendler für den Bau der Adolf-Hitler-Halle (seit 1945 Freiheitshalle) die Nähe zum Bahnhof Neuhof suchte. Ohne den Eisenbahntransport der 40 m langen vorgefertigten Holzbinder für die Dachkonstruktion hätte die Halle niemals in der Rekordzeit von sechs Monaten errichtet werden können. Und für ihre Propagandaveranstaltungen in der Adolf-Hitler-Halle mit einem Fassungsvermögen von mehr als 8000 Personen benötigten die Nationalsozialisten ebenfalls einen leistungsfähigen Eisenbahnanschluss, zumal man auch regen Besuch aus Sachsen und Thüringen erwartete.

Während auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters mehr als 20 Bahnbedienstete ihre Arbeit am Bahnhof Neuhof verrichteten, erfuhr die Frankenwaldbahn nach dem 2. Weltkrieg mit der Errichtung des „Eisernen Vorhanges“ ihre erste Einschränkung: Die Verbindung nach Thüringen wurde unterbrochen und der Verkehr durch das Höllental stillgelegt. Vom alten Glanz bewahrte sich der Bahnhof Neuhof auch in der Nachkriegszeit noch einiges, so wenn renommierte Zirkusunternehmen wie der Circus Krone mit dem Zug anreisten und vor einem staunenden Publikum ihre Elefanten ausluden, um sie zum Volksfestplatz zu führen. Und einen Hauch von weiter Welt verspürte man, wenn D-Zug-Kurswagen der Bundesbahn direkt von Rhein und Ruhr via Neuhof nach Bad Steben fuhren.

Die Reduktion des Schienenverkehrs

Die zunehmende Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts machte auch vor der Frankenwaldbahn nicht Halt. Bereits 1971 wurde die Strecke Marxgrün- Hölle stillgelegt, zwei Jahre später der Reisezugverkehr auf der Linie Naila – Schwarzenbach/Wald eingestellt, 1976 die Strecke Helmbrechts – Schauenstein – Selbitz aufgegeben. 1978 verlor Neuhof den Status eines eigenständigen Bahnhofes; sein Empfangsgebäude dient seit 1994 als Jugendverbändehaus.

Geblieben ist die Verbindung nach Bad Steben, auf der seit 2011 die Privatbahn „Agilis“ im Stundentakt verkehrt. Durch die Nähe zur Hofer Innenstadt sowie zum Theater Hof, zur Freiheitshalle sowie zum Bayerischen Landesamt für Umwelt besitzt der Bahnhof Neuhof immer noch eine gewisse Bedeutung für den Personenverkehr. Dagegen sind alle Bemühungen um eine Reaktivierung der Strecke durch das Höllental – nicht zuletzt aus Umweltschutzgründen – bisher ohne Erfolg geblieben.