Die Marienkirche
Die Marienkirche
Nach dem Willen des Landesherrn blieb Hof vom 16. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine rein evangelische Stadt.
Nur vereinzelt lebten seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Katholiken in Hof. Erst nach dem Anschluss an das Königreich Bayern im Jahr 1810 nahm die Zahl der Katholiken – vor allem durch katholische Beamte – zu. Anfangs übernahm ein Pfarrer aus dem böhmischen Asch die Seelsorge, Gottesdienste fanden in Privathäusern statt.
Im Jahr 1837 wurde der erste katholische Geistliche in Hof installiert, und 1844/45 wurde ein Haus in der Karolinenstraße zu einem Kirchlein umgebaut.
Im Zuge des raschen Bevölkerungswachstums der Stadt Hof erbaute die katholische Gemeinde von 1864 bis 1877 mit der Marienkirche ein neues Gotteshaus.
An exponierter Stelle in der Altstadt zwischen Bismarck- und Lorenzstraße gelegen, nimmt die neugotische Kirche wie keine zweite in Hof den Blick des Betrachters in Beschlag.
Besonders bemerkenswert sind im Kircheninneren die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1885 und eine Büste des selig gesprochenen Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg, der 1943 von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen wurde und auf dem Weg dorthin in Hof verstarb.
- Die Marienkirche während der Bauzeit, in der Mitte der Lorenzsteig, vorne rechts das Kantorat der Lorenzkirche.
- Die Büste Bernhard Lichtenbergs in der Marienkirche.
According to the will of the sovereign, Hof remained a purely Protestant town from the 16th century until the beginning of the 19th century.
Only a few Catholics lived in Hof from the end of the 18th century. It was only after the annexation to the Kingdom of Bavaria in 1810 that the number of Catholics increased - mainly due to Catholic civil servants. Initially, a priest from the Bohemian town of Asch took over pastoral care and church services were held in private homes.
In 1837, the first Catholic priest was installed in Hof, and in 1844/45 a house in Karolinenstraße was converted into a small church.
In the course of the rapid population growth of the town of Hof, the Catholic community built a new church, St Mary's Church, between 1864 and 1877.
Situated in a prominent location in the historic city centre between Bismarckstraße and Lorenzstraße, the neo-Gothic church captures the viewer's eye like no other in Hof. Particularly noteworthy inside the church are the Steinmeyer organ from 1885 and a bust of the beatified Berlin cathedral provost Bernhard Lichtenberg, who was sent to the Dachau concentration camp by the National Socialists in 1943 and died in Hof on the way there.
- St Mary's Church during the construction period, Lorenzsteig in the centre, the cantorate of St Lawrence's Church at the front right.
- The bust of Bernhard Lichtenberg in St Mary's Church.
Z vůle panovníka zůstal Hof od 16. století až do počátku 19. století čistě protestantským městem.
Od konce 18. století žilo v Hofu jen několik katolíků. Teprve po připojení k Bavorskému království v roce 1810 se počet katolíků zvýšil - především díky katolickým úředníkům. Zpočátku se pastorační péče ujal kněz z českého města Asch a bohoslužby se konaly v soukromých domech.
V roce 1837 byl v Hofu dosazen první katolický kněz a v letech 1844/45 byl dům v ulici Karolinenstraße přestavěn na malý kostel.
V průběhu rychlého růstu počtu obyvatel města Hofu postavila katolická obec v letech 1864-1877 nový kostel, kostel Panny Marie.
Tento novogotický kostel, který se nachází na prominentním místě v historickém centru města mezi ulicemi Bismarckstraße a Lorenzstraße, upoutá pozornost diváka jako žádný jiný kostel v Hofu.
Uvnitř kostela stojí za pozornost zejména Steinmeyerovy varhany z roku 1885 a busta blahoslaveného probošta berlínské katedrály Bernharda Lichtenberga, který byl v roce 1943 národními socialisty poslán do koncentračního tábora Dachau a cestou tam v Hofu zemřel.
- Kostel Panny Marie v době výstavby, uprostřed Lorenzsteig, vpředu vpravo kantorát kostela svatého Vavřince.
- Busta Bernharda Lichtenberga v kostele Panny Marie.
Zur Geschichte der katholischen Kirchengemeinde
Mit der Einführung der Reformation im Jahre 1529 endete für knapp 300 Jahre das katholische Leben in Hof.
Erst als die Saalestadt zusammen mit dem Fürstentum Bayreuth im Jahre 1810 an das Königreich Bayern kam, siedelten sich wieder Katholiken in nennenswerter Zahl in Hof an – namentlich Beamte aus Altbayern oder Gewerbetreibende und Arbeiter aus Böhmen. Ihre seelsorgerische Betreuung übernahm ein Geistlicher aus Asch.
Erst im Jahre 1837 erhielten die Gläubigen mit Pfarrkurat Johann Baptist Neuner einen eigenen Pfarrer. 1840 vermochte man die erste – noch einklassige – Schule für katholische Kinder einzurichten mit einem Schulverweser auf der viel zu schlecht dotierten Schulstelle. Es dauerte noch 50 Jahre, bis die katholische Schule im neuerrichteten Schulhaus IV in der Wilhelmstraße (heute Sitz der Wirtschaftsschule) ein eigenes Domizil fand.
Der Bau der Marienkirche
Deutlich schneller ging es mit dem Bau der ersten katholischen Kirche der Neuzeit in Hof voran.
Auf Grund des rasanten Bevölkerungswachstums im Zuge der Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts genügten die verschiedenen Provisorien für die Gottesdienste nicht mehr und so wurde von der katholischen Gemeinde in den Jahren 1864 bis 1877 die Marienkirche an exponierter Stelle in der Altstadt errichtet.
Die Pläne für den neugotischen Bau entwarf der Hofer Pfarrer Nikolaus Eichhorn selbst; sie fanden auch die Zustimmung des Regensburger Dombaumeisters und der Regierung von Oberfranken. Schon drei Jahre nach der Grundsteinlegung konnte im Juni 1867 der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert werden. Zu diesem Zeitpunkt fehlten noch die hochaufragenden, markanten Türme, die erst 1870 (Westturm) bzw. 1875 (Ostturm) fertiggestellt wurden.
Ein weiterer Meilenstein auf dem Wege der Vollendung der Kirche bildete die Einweihung der Steinmeyer-Orgel am 1. März 1885 und mit der feierlichen Weihe des Gotteshauses am 28. Oktober 1891 durch den zuständigen Bamberger Erzbischof Joseph von Schorck fanden die Bau- und Ausstattungsarbeiten der Marienkirche ihren würdigen Abschluss.
Die Steinmeyer-Orgel der Stadtkirche St. Marien
Die erhalten gebliebenen Orgeln von Georg Friedrich Steinmeyer (1819-1901) zeigen, dass dieser Orgelbauer zu den Großen des 19. Jahrhunderts gehört und im Orgelbau seiner Zeit stilbildend wirkte. Gerade die im letzten Viertel jenes Jahrhunderts noch mit mechanisch gesteuerten Kegelladen gebauten Instrumente zeigen eine faszinierende bauliche und klangliche Ästhetik. Die Orgel der Hofer Marienkirche, zusammen mit der Kirche fertiggestellt, zeichnet sich durch diese Qualität aus. Heute steht das mit rund 1700 Orgelpfeifen bestückte Instrument unter Denkmalschutz.
Die Planung für den Bau der Marienorgel begann 1882, sie erklang erstmals am Sonntag 2. März 1885 und zählt zu den größeren Werken Steinmeyers. Ein Porzellanschild am Spieltisch, versehen mit der Signatur des Erbauers, trägt die Werknummer 268. Das komplett erhaltene Instrument entspricht klanglich der deutsch-romantischen Epoche, ist vollmechanisch und korrespondiert in idealer Weise – auch akustisch – mit dem erhaltenen neugotischen Kirchenraum.
Im Jahr 1989 begannen die ersten Überlegungen zur Restaurierung des historisch wertvollen und original erhaltenen Instrumentes. Sie waren Teil einer sich formierenden Bewegung, die neben den bislang im Fokus stehenden barocken
Orgelinstrumenten auch die besonderen Werke der Romantik in den Blick nahm.
Bei der Restaurierung von Mai 1994 bis Februar 1995 durch Orgelbau Klais aus Bonn galt es vor allem, entstandene Schäden zu beseitigen. Angesichts des ansonsten ausgezeichneten Zustands der Materialien waren, vorwiegend durch Verschleiß, erneuernde sowie erhaltende Maßnahmen indiziert.
Kernstück der Arbeiten war die sachgerechte Intonation der Register. Nach Abschluss der Maßnahme wurde die Orgel, fast auf den Tag genau 110 Jahre nach ihrer Fertigstellung, wieder in den Dienst der Stadtkirche St. Marien gestellt.
Der freistehende Spieltisch und das Gehäuse, versehen mit neugotischem Dekor, bilden eine stilistische Einheit. Die Klaviaturen sind original erhalten, die Registerzüge liegen in drei Ebenen links und rechts der Klaviaturen. Im Orgelprospekt steht der Prinzipal 8‘. Rückwärtig im Untergehäuse liegt ein Doppelfaltenmagazinbalg. Er kann heute sowohl elektrisch, als auch auf die ursprüngliche mechanische Weise betätigt werden. Im Gehäuse befinden sich hinter dem Prospekt die Hauptwerkswindladen, dahinter im gleichen Aufbau übereinander die Laden des 2. Manuals. Rückwärtig tiefstehend schließt die Pedallade an.
Dr. Ludger Stühlmeyer
Stadt- und Dekanatskantor
Nun danket alle Gott (Soundfile)
Wegen ihrer Lage auf einem Bergrücken und ihrer Freistellung in Bezug auf andere Gebäude ist die Kirche weithin sichtbar.
Architektur- und geschichtsunkundige Betrachter könnten sie deshalb ohne weiteres für die Hauptkirche von Hof halten. Aber im Unterschied zu den aus dem Mittelalter stammenden Gotteshäusern wie die Lorenz- oder die Michaeliskirche ist die Marienkirche nicht geostet, d.h. dass der Chor nicht nach Osten ausgerichtet ist.
Um eine Fernwirkung in Richtung Altstadt zu erzielen und wohl auch aus Platzgründen ist dieses Gotteshaus gesüdet. Da aber das Gelände nach Süden abfällt, konnte im Kircheninneren nur durch die Errichtung von Substruktionen im Chorbereich eine Ebene erzielt werden. Darin wiederum gleicht die Marienkirche der Michaeliskirche, wo das Phänomen noch viel stärker ausgeprägt ist.
Gedenktafel Jakobsweg
Am Fuße der Westseite der Kirche wurde im Jahre 1999 auf Initiative des Architekten Hans Meyer eine Gedenktafel in die Mauer eingelassen.
Sie erinnert daran, dass im Jahre 1487 mehrere Hofer Bürger, die von einer kostspieligen Wallfahrt nach St. Jago de Compostella in Spanien zurückgekehrt waren, in einem Haus unterhalb der St. Niklas-Kirche (sie stand bis 1553 an der Stelle der Häuser Kreuzsteinstraße 2-4) eine Herberge für durchreisende Jakobsbrüder bereitstellten.
An die Stelle dieser „Pilgrimsherberge“ trat 1798 der Gasthof „Goldene Sonne“, der 1864 dem Neubau der Marienkirche weichen musste. Der gegenüberliegende „Sonnenplatz“ erinnert mit seinem Namen noch an den Gasthof.
Bernhard-Lichtenberg-Platz
Der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943) setzte sich während des „Dritten Reiches“ für die Verfolgten des NS-Regimes gleich welchen Glaubens ein und protestierte auch gegen die Ermordung unheilbar Kranker und geistiger oder körperlicher Behinderter.
Im Oktober 1941 wurde er von der Gestapo festgenommen und wegen „Kanzelmissbrauchs“ und Vergehens gegen das „Heimtückegesetz“ zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Anschließend wurde er in Schutzhaft genommen und sollte in das Konzentrationslager Dachau überstellt werden. Beim Transport dorthin verstarb der schwerkranke Häftling am 5. November 1943 im Hofer Stadtkrankenhaus. Seine sterblichen Überreste wurden nach Berlin gebracht, wo sie heute in der St. Hedwigs-Kathedrale ruhen.
1996 sprach Papst Johannes Paul II. anlässlich eines Deutschlandbesuches Bernhard Lichtenberg selig und die Jerusalemer Gedenkstätte ehrte ihn wegen seines Einsatzes für verfolgte Juden 2005 als „Gerechten unter den Völkern“.
Bereits 1992 wurde in der Hofer Marienkirche die Kopie einer Büste des Geistlichen aufgestellt, dessen Original 1991 für das Berliner Bernhard-Lichtenberg-Haus geschaffen worden war.
Die Stadt Hof ihrerseits würdigte den unerschrockenen Priester, indem sie 2013 den Platz vor der Marienkirche in der Hofer Altstadt in „Bernhard-Lichtenberg-Platz“ umbenannte. Und seit 2017 bilden die beiden Hofer Seelsorgebereiche St. Marien und St. Konrad die erste katholische Pfarrei, die den Namen Bernhard Lichtenbergs trägt.







