Die Porzellanfabrik Moschendorf

PM Bavaria

Mit dieser Marke kennzeichnete die Porzellanfabrik Moschendorf ihre Produkte, Haushaltsgeschirr mittlerer Qualität, das sie vor allem nach England und in die USA exportierte.

Die Fabrik wurde von einer Thüringer Porzellinerdynastie gegründet. Sie übernahm 1878 die Gebäude einer Papiermühle, die seit dem 16. Jahrhundert hier ansässig gewesen war. Später wurden die Gebäude erheblich erweitert.

Um 1900 beschäftigte die Fabrik über 600 Mitarbeiter. Als Familienunternehmen war das Schicksal des Moschendorfer Werkes eng mit seinen Eigentümern verbunden.

Seit den 1930er Jahren wurde nur noch wenig investiert. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Anlagen stillgelegt, auf dem Gelände befand sich ein Konzentrationslager. Im Jahr 1957 schlossen die Pforten der Fabrik endgültig. Ein Teil der Gebäude ist noch vorhanden. 

Gelände der Porzellanfabrik Moschendorf um 1955. Das Foto zeigt ein Gebäude der ehemaligen Papierfabrik, das um 1830 errichtet worden war (1977 abgerissen).

The Moschendorf porcelain factory used this brand to characterise its products, medium-quality household tableware, which it exported mainly to England and the USA.

The factory was founded by a Thuringian porcelain dynasty. In 1878, it took over the buildings of a paper mill that had been located here since the 16th century. The buildings were later considerably extended.

Around 1900, the factory employed over 600 people. As a family business, the fate of the Moschendorf factory was closely linked to its owners.

Little investment was made from the 1930s onwards. During the Second World War, the plants were shut down and a concentration camp was located on the site. The factory closed its doors for good in 1957. Some of the buildings still exist.

Site of the Moschendorf porcelain factory around 1955. The photo shows a building of the former paper factory, which was built around 1830 (demolished in 1977).

Továrna na porcelán Moschendorf používala tuto značku pro označení svých výrobků, středně kvalitního nádobí pro domácnost, které vyvážela především do Anglie a USA.

Továrnu založila durynská porcelánová dynastie. V roce 1878 převzala budovy papírny, která zde stála již od 16. století. Budovy byly později značně rozšířeny.

Kolem roku 1900 továrna zaměstnávala více než 600 lidí. Jako rodinný podnik byl osud moschendorfské továrny úzce spjat s jejími majiteli.

Od 30. let 20. století se do ní investovalo jen málo. Během druhé světové války byly závody uzavřeny a v areálu se nacházel koncentrační tábor. Továrna byla definitivně uzavřena v roce 1957. Některé z budov stále stojí.

Areál porcelánky v Moschendorfu kolem roku 1955. Na fotografii je budova bývalé papírny, která byla postavena kolem roku 1830 (zbourána v roce 1977).

Die Porzellanfabrik Moschendorf

Nach alten Urkunden erteilte im Jahre 1567 Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg an Isaac Söldner aus Goldkronach die Genehmigung zum Bau einer Papiermühle in Moschendorf bei Hof.

Die Papiermühle nahm ihren Betrieb 1571 auf. Im Verlauf ihres über dreihundertjährigen Bestehens wurde sie am 5. Juli 1828 von einem schweren Brand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in leicht veränderter Form und war zu Beginn des Jahres 1830 abgeschlossen. 

Im Jahre 1858 gab die Eigentümerfamilie Wunnerlich die Papierherstellung auf und legte die Mühle still. In dem Hauptgebäude wurde ein Sägewerk eingerichtet, vor dem Wirtschaftsgebäude wurden eine Ziegelei und eine Zementfabrik betrieben. Die ehemalige Getreidemühle am jenseitigen Ufer des damaligen Mühlbaches wurde als Knochenmühle zur Düngemittelherstellung weitergenutzt.

Am 15. März 1878 wurde die ehemalige Mühle an den Landwirt Hermann Kühnert aus Etzdorf bei Eisenberg/Thüringen meistbietend versteigert. Der Kaufpreis betrug 54.920 Mark. Zur Fabrik gehörten ca. 26 Tagewerk Felder und Wiesen, ein Wasserkraftwerk mit ca. 82 cm Gefälle und geschätzten 20-25 PS im Wert von 20.000 Mark.

Der neue Besitzer fand das Haus leer vor. Niemanden war zuerst klar, was mit diesen kolossalen großen Räumen des Anwesens anzufangen war.  Am 29. Juni 1878 erteilte das Königliche Bezirksamt Hof an Hermann Kühnert die baupolizeiliche Erlaubnis für die notwendigen baulichen Einrichtungen zum Betrieb einer Porzellanfabrik.

Der Besitzer gründete am 1. Juli 1878 die Firma Kühnert & Tischer Porzellanfabrik in Moschendorf. Am 19. Januar 1879 erfolgte der Eintrag ins Gewerberegister der Stadt Hof. Ende November 1878 brannte der erste Ofen.

Im Frühjahr 1879 reiste Herr Tischer nach London und Manchester und erhielt die ersten Aufträge über 8.000 Mark. Von nun an gingen die Arbeit und der Betrieb der Fabrik flotter. 1884 stand das Geschäft wohl auf der höchsten Blüte.

Für Moschendorf bedeutete die Ansiedlung der Porzellanfabrik einen Glücksfall, der maßgeblich zum Aufblühen der Gemeinde beitrug. 1888 zählte das Unternehmen schon ca. 300 Beschäftigte und 1906 erreichte man 618 Mitarbeiter.

Am 1. April 1906 wurde Moschendorf nach Hof eingemeindet. Moschendorf hatte damals 1696 Einwohner. Am 17. November 1907 wurde die Bahnstation Moschendorf eröffnet.

Nach dem Ausscheiden von Hermann Kühnert im Jahre 1907 wurde dessen Platz in der Firma von Paul Reinecke aus Eisenberg eingenommen.  Am 12. November 1909 übernahm Otto Reinecke, der Bruder von Paul Reinecke, die Direktion des Moschendorfer Betriebes. Zweiundvierzig Jahre lenkte er in maßgeblicher Position, ab 1937 sogar als Alleininhaber, die Geschicke des Unternehmens.

Die Jahre 1907-1910 standen für die Porzellanfabrik im Zeichen einer ernsten Rezession, verbunden mit einem Stellenabbau von annähernd 50 Prozent. Nach dem 1. Weltkrieg erholte sich die Situation ziemlich schnell. Auch die Weltwirtschaftskrise ging an der Porzellanfabrik ab 1929 nicht spurlos vorüber. Am 2.2.1931 meldete die Firma Kurzarbeit an, verbunden mit Entlassungen. Zusätzlich erschwerte schon damals die Konkurrenz aus Japan und Tschechien das Betriebsgeschehen.

Nach Auflösung der Aktiengesellschaft übernahm der bisherige Direktor und Hauptaktionär Otto Reinecke das Unternehmen am 29.12.1937 als Alleininhaber.

Zu dieser Zeit fuhr der Betrieb kaum Gewinne ein. Otto Reinecke war ein Gegner der Nationalsozialisten, was letztendlich zur Schließung der Fabrik führte.

Bereits 1941 wurde auf dem Pachtgrund der Anlagen ein Barackenlager für osteuropäische Zwangsarbeiter erbaut.

Am 3. September 1944 wurde von der SS direkt auf dem Fabrikgelände ein Arbeitslager eingerichtet und der Verwaltung des Konzentrationslagers Flossenbürg unterstellt.  Die Häftlinge waren nicht in Baracken, sondern in einem Saal der stillgelegten Porzellanfabrik untergebracht.  Das Lager wurde am 15. April 1945 nach dem Einmarsch der Amerikaner aufgelöst.

Neu- und Wiederbeginn

Der Neu- und Wiederbeginn der Produktion verzögerte sich bis Herbst 1948.

Viele Arbeitskräfte fanden in der Zwischenzeit in anderen Porzellanfabriken Arbeit und so musste Otto Reinecke unter den aus Böhmen ausgesiedelten Sudetendeutschen geeignete Fachkräfte finden. Für die Porzellanindustrie standen die fünfziger Jahre im Zeichen gravierender Probleme der Rohstoff- und Brennstoffbeschaffung wegen des „Eisernen Vorhanges“ zur Tschechoslowakei und der DDR.

Am 22. März 1951 verstarb Otto Reinecke im Alter von 73 Jahren, damit ging eine Ära zu Ende. Reinecke war unverheiratet und kinderlos und so fiel die Leitung des Betriebes an Elli Künzel, Reineckes langjährige Wirtschafterin und Erbin. Bei den Problemen in den fünfziger Jahren führten fachliche Fehlentscheidungen und falsche Investitionen zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Laut Angaben der Geschäftsleitung gab es keinen Bankrott, sondern ausschlaggebend für die Schließung waren letztendlich persönliche Gründe der Eigentümerin.

Am 10. Dezember 1957 wurde der Betrieb eingestellt.

Markentafel der PM Bavaria

Sammlerstücke

aus der Sammlung von Günter Tauwaldt

Verkauf der Porzellanfabrik Moschendorf

Elli Künzel verkaufte die Porzellanfabrik Moschendorf zusammen mit dem größten Teil der Immobilien aus dem Nachlass des langjährigen Eigentümers Otto Reinecke an die Stadt Hof.

Das Hauptgebäude der ehemaligen Papiermühle, Oberkotzauer Straße 1, wurde im Herbst 1977 abgerissen.

Literatur

Die Porzellanfabrik Moschendorf 1878-1957 von Ellen Mey, Hof 1996