vergangene Veranstaltungen
Langnamenverein bestätigt Vorstand
Im Rahmen der turnusmäßig erfolgten Jahreshauptversammlung haben die anwesenden Mitglieder des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V. (Langnamenverein) anlässlich der anstehenden Neuwahlen den amtierenden Vorstand in seinem Amt bestätigt.
Dr. Axel Herrmann führt den Verein somit weiterhin als erster Vorsitzender, unterstützt von Dr. Hans Schönemann (stv. Vorsitzender), Sabine Schaller-John (3. Vorsitzende), Rolf Zeitler (Schatzmeister) und Reiner Frank (Schriftführer).
Die Aktivitäten des Langnamenvereins konzentrieren sich im laufenden Jahr auf die Weiterführung des archäologischen Projektes zur Besiedelungsgeschichte auf Basis der Fundstellen in Gumpertsreuth und Osseck. Bereits im Februar hatte der Verein dazu über Zwischenergebnisse im Rahmen eines Symposiums informiert.
Zudem beschäftigt sich ein Arbeitskreis intensiv mit der Digitalisierung der Geschichtstafeln, deren bisherige Inhalte schrittweise online ergänzt werden und über einen auf der Geschichtstafel befindlichen QR-Code abrufbar sind. Die Basisinformationen finden sich dort nun auch in Englisch und Tschechisch.
Bewährte Formate setzt der Langnamenverein in Form von Vorträgen und Exkursionen ebenfalls fort.
(von Sabine Schaller-John)
„Länderübergreifende Archäologie entlang der Südostlink-Trasse“
Pressebericht zur Vortragsveranstaltung vom Samstag, 21. Februar 2026
Am Samstag, dem 21. Februar 2026, richtete der Nordoberfränkische Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde einen bemerkenswerten Vortragsnachmittag aus, der völlig neue Einblicke in die Besiedlungsgeschichte des Vogtlandes in Thüringen, Sachsen und Bayern gewährte.
Die vom Arbeitskreis (AK) Archäologie des LNV und dem Kulturlandschaftsbeauftragten des Landkreises Hof initiierte Veranstaltung erfreute sich mit rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörern eines regen Zuspruchs, kompetent moderiert von Dr. Adrian Roßner, Kreisarchivpfleger des Landkreises Hof. Auf die Zuhörer warteten sechs hochkarätige Vorträge rund um die teils bedeutenden archäologischen Erkenntnisse der bundeslandübergreifenden Grabungsarbeiten, die im Zuge des Stromtrassenausbaus Südostlink stattfanden. Erstmals wurde damit auch ein länderübergrefender Vergleich ermöglicht.
Dr. Axel Herrmann, 1. Vorsitzender des LNV, begrüßte das aus geschichtlich Interessierten, ehrenamtlich Forschenden und versierten Fachleuten bestehende Publikum zur fünfstündigen Präsentation im AudiMax der Hochschule Hof.
Der Schirmherr der Veranstaltung, Landrat Dr. Oliver Bär, verwies explizit auf die fruchtbare Zusammenarbeit von LNV, Historischem Verein Regnitzlosau und den an der Südostlink-Trasse liegenden Gemeinden Gattendorf und Regnitzlosau. Mit Blick auf den anstehenden Austausch von Archäologen aus Thüringen, Sachsen und Bayern betonte Bär einmal mehr die Bedeutung des Hofer Landes und des Vogtlandes als „Region der Einheit“. Gemeinsame Aktivitäten und konstruktive Zusammenarbeit spiegelten sich auch im Grußwort von Udo Benker-Wienands, stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins Regnitzlosau, wider.
Als gemeinsames Ziel wurde ausgegeben, dass die Erkenntnisse der Gumpertsreuther Grabungen, welche den Nachweis einer Besiedelungszelle vor ca. 2500 Jahren erbrachte, mit den Ergebnissen einer archäologischen Grabung aus dem Jahr 1981 bei Osseck am Wald gemeinsam analysiert werden sollen. Erst wenn eine wissenschaftlich fundierte Publikation vorliege, würden die Ergebnisse in Fachkreisen akzeptiert. Parallel dazu ist geplant, die archäologisch interessierten Laien im Rahmen der Schriftenreihe des Historischen Vereins Regnitzlosau anzusprechen.
Der erste Block der Veranstaltung bezog sich auf Thüringen. Der Gebietsreferent West im Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Dr. Andreas Hummel, und der Koordinator für die Südostlink-Trasse in Thüringen, Dr. Jörg Wicke, berichteten über ausgewählte archäologische Fundstellen entlang der Weißen Elster. Im Bereich der rund 70 km langen Teilstrecke der Trasse, die durch Thüringen führt, wurden sowohl Siedlungsfundstellen, die in die späte Bronze- bzw. frühe Eisenzeit wiesen, als auch mittelalterliche Fundstellen angesprochen. Funde bei Weida zeigten jungsteinzeitliche Befunde, Funde bei Crimla gehörten in die Eisenzeit, Funde bei Veitsberg und Geißen in das Mittelalter.
Den zweiten Vortragsblock gestaltete Herr Dr. Harald Stäuble, bis November 2025 Referatsleiter für Großprojekte im Landesamt für Archäologie in Sachsen. Er berichtete über eisenzeitliche Siedlungs- und Produktionsplätze im Bereich der rund 19 km langen Teilstrecke der Südostlink-Trasse, die durch Sachsen führt. Nahe des Ortes Tobertitz wurden erst Pfostengruben lokalisiert mit darin liegenden Scherben. Auswertungen der Radiokohlenstoff-Untersuchungen datierten Funde auf die Eisenzeit zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert vor Christus. In Rodau, nur 3,5 km nordöstlich von Tobertitz, konnte eine weitere eisenzeitliche Siedlung lokalisiert werden. Hier gelang es, einen Pfostenbau als Grubenhaus zu dokumentieren. Durch Funde von Verhüttungs- und Schmiedeschlacken sowie von Ofenmantelfragmenten konnte der Nachweis erster eisenzeitlicher Verhüttung im sächsischen Vogtland geführt werden.
Im dritten Teil der Veranstaltung gab der Referatsleiter Lineare Projekte beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege München, Dr. Jürgen Obmann, einen Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen linearer Großprojekte wie dem Südostlink-Projekt.
Daniel Ebracht (M.A.), Archäologischer Koordinator im Auftrag des Vorhabenträgers Tennet, informierte über die archäologische Begleitung des Trassen-Abschnittes C1, der auf bayerischer Seite von Münchenreuth bis Marktredtwitz reicht.
In der sich anschließenden Diskussion drehte sich eine Nachfrage auch darum, welche Möglichkeiten das Bayerische Denkmalschutzgesetz bietet, um Funde als Dauerleihgabe an Vereine oder Kommunen zu übergeben, damit diese sie der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Angeregt als möglicher Lösungsansatz wurde aus dem Plenum eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.
Der letzte Vortragsblock bezog sich auf die jüngst gemachten Funde bei Gumpertsreuth und die Ergebnisse der Grabung bei Osseck am Wald aus dem Jahr 1981, die der damalige Kreisheimatpfleger Karl Dietel veranlasst hatte.
Matthias Tschuch (M.A.), Inhaber der Archäologie-Firma AST mit Sitz in Nürnberg, berichtete über die Ergebnisse der Grabung Gumpertsreuth, bei der eine Siedlung der frühen Latène-Zeit entdeckt wurde. Wie die Fachzeitschrift „Das Archäologische Jahr in Bayern 2024“ berichtete, handelt es sich hierbei um die erste Fundstelle dieser Zeitstellung im nordöstlichen Oberfranken überhaupt. Die 275 Befunde deuten auf eine eisenzeitliche Siedlung mit Hofstellen hin.
Zu den sechs vermuteten Hofstellen ließen sich Herdstellen und Gargruben nachweisen. Gefundene Mahlsteinfragmente lassen auf eine Getreideverarbeitung schließen. Die gefundene Gefäßkeramik, wie Vorratsgefäße oder Kochgeschirr, zeigten die typischen Merkmale der frühen Latène-Zeit. Die mittlerweile vorliegenden Ergebnisse archäobotanischer Untersuchungen von Samen- oder Blattresten gewähren einen Einblick in Landwirtschaft und Ernährungsweise dieser Zeitstellung.
Den abschließenden Vortrag übernahm der Archäologe Philipp Schinkel (M.A.), der nördlich und südlich der Grabungsfläche bei Gumpertsreuth ergänzende geophysikalische Untersuchungen durchführte, um den Siedlungsbereich deutlicher abgrenzen zu können. Mit dem Verfahren der Magnetometrischen Prospektion gelang es, den streifenförmigen Bereich der Grabung abzurunden.
Hierzu trugen auch die Feldbegehungen durch den Arbeitskreis Archäologie des Langnamenvereins bei. Die Lage der hierbei gefundenen Scherben wurden GPS-gestützt eingemessen und konnten damit in die Grabungspläne integriert werden. Schinkel wies darauf hin, dass eine Fördermaßnahme unter der Trägerschaft des Hofer Langnamenvereins auf den Weg gebracht wurde, mit dem Ziel, die Erkenntnisse sowohl von Gumpertsreuth als auch der Grabung von Osseck am Wald von 1981 wissenschaftlich zu interpretieren und einer Publikation zuzuführen. Hierzu haben sowohl die Oberfrankenstiftung als auch die Sparkassenstiftung Unterstützung gewährt. Die Entscheidung über den laufenden Förderantrag auf Mittel des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz wird im April erwartet.
Schinkel verwies in diesem Zusammenhang auch auf die gute Zusammenarbeit von Vereinen, Kommunen und Behörden.
Die Durchführung der Vortragsveranstaltung war zudem nur möglich durch massives ehrenamtliches Engagement. Sowohl der Langnamenverein als auch der Historische Verein Regnitzlosau zeigten auf, was in dieser Hinsicht machbar ist.
Die Firma Tennet unterstützte ebenfalls die Veranstaltung mit einem namhaften Geldbetrag.
Initiatoren und Referenten des Vortragsnachmittages „Länderübergreifende Archäologie entlang der Südostlink-Trasse“ (von links):
Philipp Schinkel (Inhaber der Firma Archäoscout – Archäologie und Prospektion), Edwin Greim (Kulturlandschaftsbeauftragter Landkreis Hof), Andreas Jedrzejowski (AK Archäologie LNV), Eva Spörl (Leiterin AK Archäologie LNV), Dr. Axel Herrmann (1. Vorsitzender LNV), Werner Schnabel (Vorsitzender Historischer Verein Regnitzlosau), Dr. Stefanie Berg (Abteilungsleiterin Bodendenkmalpflege Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege), Dr. Harald Stäuble (bis November 2025 Referatsleiter für Großprojekte im Landesamt für Archäologie in Sachsen), Daniel Ebracht (Archäologischer Koordinator im Auftrag des Vorhabensträgers Tennet), Dr. Andreas Hummel (Gebietsreferent West Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie), Matthias Tschuch (Inhaber der Firma Archäologischer Service Tschuch (AST)), Dr. Jürgen Obmann (Referatsleiter Lineare Projekte Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege), Dr. Jörg Wicke (Koordinator für die Südostlink-Trasse in Thüringen)
Reges Interesse am Hofer Weihnachtsmarkt
Auch in diesem Jahr war der Langnamenverein auf dem Hofer Weihnachtsmarkt vertreten.
Vor allem das von Leo Reichel entworfene Quiz über regionale Besonderheiten erweckte das Interesse der zahlreichen Besucher. Diese konnten sich im Gespräch mit den Vereinsmitgliedern, die den Stand betreuten, über deren Arbeit informieren.
Die neuesten Veröffentlichungen des Vereins fanden so interessierte Abnehmer. Vorsitzender Dr. Axel Herrmann dankte den Helfern für ihr Engagement.
Miscellanea curiensia Band XV neu erschienen
Oberbürgermeisterin Eva Döhla zeigte sich erfreut über den noch rechtzeitig vor Weihnachten neu erschienen 15. Band der Reihe „Miscellanea curiensia“, die der Nordoberfränkische Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde seit 1996 herausgibt.
Erster Vorsitzender Dr. Axel Herrmann stellte den Inhalt dieser wissenschaftlichen Aufsatzsammlung der Öffentlichkeit vor. Neben historischen und naturkundlichen Abhandlungen seien erstmals auch Zeitzeugenberichte aufgenommen worden. Er dankte Schriftleiter Dr. Alexander Eisgrub für die geleistete Arbeit.
Im Buchhandel ist der Band für 9,80 € erhältlich. Vereinsmitglieder erhalten je einen Band kostenlos.
Inhalt
- Kluge, A.: Arbeitsordnungen in der Textil- und Porzellanindustrie Oberfrankens
- Weißer, C.: Bauskandal am Thersienstein!
- Oechslein, R.: Hans Merker. Biographie
- Schneider, E.: Geschichte der Tanne im Frankenwald
- Blachnik, T.: Seltene Farne in Nordost-Oberfranken
- Frisch, W.: Facetten jüdischen Lebens in Hof – Erinnerungen von Franz Anders
- Jäger-von Hoeßlin, F.: Das Hofer Hilfskrankenhaus in der Kreuzsteinstraße 1945/46
Faszination Lorenzkirche
Sehr großes Besucherinteresse fand die Führung in der Hofer Lorenzkirche unter der Leitung von Dr. Hans Schönemann, dem 2. Vorsitzenden des Langnamenvereins.
Fachkundig führte er durch die lange Geschichte dieser zentralen Hofer Kirche, die einst Mittelpunkt einer Großpfarrei war. Die wechselvolle Baugeschichte sowie die bemerkenswerte Innenausstattung standen im Zentrum der Ausführungen. Stadtführerin
Anne Grießhammer ergänzte diese durch die Erläuterung der einzigartigen Stuckarbeiten der Künstlerin Elisabeth Ruzicka, die das Kircheninnere prägen.
Erster Preis für das Selber Walter-Gropius-Gymnasium
Der Hofer Langnamenverein führt seit Jahren einen Schülerwettbewerb durch, bei dem die besten eingereichten Facharbeiten prämiert werden.
Vorsitzender Dr. Axel Herrmann und der Leiter des Wettbewerbs, Ulrich Glas, freuten sich mit dem Wunsiedler Landrat Peter Berek und Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann vom WGG über den großen Zuspruch in diesem Jahr.
Der erste Preis ging an das Walter-Gropius-Gymnasium Selb. Das P-Seminar Musik hatte in der Kategorie Gruppenarbeiten mit „Hello Hometown – Songs über mich und meine Stadt“ die Jury überzeugt.
Ebenfalls mit einem ersten Preis in dieser Kategorie wurde die Johann-Georg-August-Wirth Realschule Hof für ihr Geschichtsprojekt „Stolpersteine“ ausgezeichnet. In der Kategorie Einzelarbeiten ging der erste Preis an Noah Flügel vom Schillergymnasium Hof. Er hatte sich mit dem Mehrwegsystem der Stadt Hof auseinandergesetzt. Weitere Preise würdigten die Arbeiten des Jean-Paul-Gymnasiums Hof sowie der Markgraf-Friedrich Realschule Rehau.
Alle Arbeiten, so Jury-Vorsitzender Ulrich Glas, hätten mit ihrer hohen Qualität überzeugt und gezeigt, wie lebensnah und interessant Unterricht gestaltet werden kann.
Vortragsmagnet Besiedelungsgeschichte
Der Vortrag des Langnamenvereins über neueste Erkenntnisse der Besiedelungsgeschichte Hofs im Mittelalter lockte ca. 150 Interessierte in die VHS Hof. Vorsitzender Dr. Axel Herrmann freute sich über diesen Besucherrekord.
Unterstützt von zahlreichen Helfern hatte Archäologe Philipp Schinkel mit Hilfe der Magnetometerprospektion das Gelände des Schleeschlosses bei Bernstein am Wald sowie jenes der ehemalige Siedlung Reuschen bei Schauenstein untersucht und dabei deutliche Spuren der ehemaligen Besiedlung nachweisen können.
Zusammen mit Edwin Greim, dem Kulturlandschaftsbeauftragten des Landkreises Hof und Jörg Wurdack vom Arbeitskreis Archäologie des Langnamenvereins stellte er die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit vor und ordnete sie in die historischen Zusammenhänge ein. Abschließend wies Philipp Schinkel auf die begonnenen Untersuchungen im Raum Gattendorf hin. Erste Ergebnisse wiesen auf neue Aspekte bei der Besiedelung des Hofer Raumes hin.















