Das Lager Hof-Nord

Das Lager Hof-Nord

vom Militär- zum Flüchtlingslager

Hier entstand ab Frühjahr 1935 ein Barackenlager für die deutsche Wehrmacht. Der Kasernenbau erfolgte ab August 1935. 1942 wurden zusätzlich Baracken im hinteren Lagerteil für die „Blaue Division“ aus Spanien erstellt. Nach dem Krieg diente das Lager bis Frühjahr 1948 für die Unterbringung jüdischer Displaced Persons, meist aus Polen geflüchteter Holocaustüberlebender.

Der Begriff „Displaced Persons“ (DPs) bezeichnet Personen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg kriegsbedingt außerhalb ihres Herkunftslandes aufhielten und ohne Hilfe nicht zurückkehren konnten oder sich in einem anderen Land neu ansiedeln wollten. Die Versorgung übernahm das amerikanische Militär, das nach 1945 die Kasernen nutzte.                                                                                                          

Ab Frühjahr 1948 wurde das Lager für Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland instandgesetzt. Zeitweise waren hier bis zu 112 Familien mit insgesamt 410 Personen untergebracht.

Das hintere Lager war durch einen Holzlattenzaun vom Flüchtlingslager getrennt. In diesem sog. „Durchgangslager“ wohnten Obdachlose und sozial Schwache.

1968 erfolgte der Abriss der letzten Baracke Block 11. Aktuell wird das ehemalige Flüchtlingslager von der Bundeswehr, das Durchgangslager vom Landesamt für Umwelt genutzt.

A barracks camp for the German Wehrmacht was built here from spring 1935. Barracks were built from August 1935. In 1942, additional barracks were built in the rear part of the camp for the “Blue Division” from Spain. After the war, the camp was used to house Jewish displaced persons, mostly Holocaust survivors who had fled Poland, until spring 1948. The term “displaced persons” (DPs) refers to people who were outside their country of origin after the Second World War due to the war and were unable to return without help or wanted to resettle in another country. The American military, which used the barracks after 1945, took care of them.

From spring 1948, the camp was repaired for refugees from East and West Prussia, Pomerania, Silesia and the Sudetenland. At times, up to 112 families with a total of 410 people were accommodated here.

The rear camp was separated from the refugee camp by a wooden picket fence. Homeless and socially disadvantaged people lived in this so-called “transit camp”.

The last barrack, Block 11, was demolished in 1968. Currently, the former refugee camp is used by the German Armed Forces and the transit camp by the State Office for the Environment.

 

Od jara 1935 zde byl vybudován kasárenský tábor pro německý wehrmacht. Baráky byly budovány od srpna 1935. V roce 1942 byly v zadní části tábora postaveny další baráky pro „modrou divizi“ ze Španělska. Po válce byl tábor až do jara 1948 využíván k ubytování židovských vysídlenců, většinou přeživších holocaust, kteří uprchli z Polska. Termínem „vysídlenci“ (DP) se označují lidé, kteří se po druhé světové válce v důsledku války ocitli mimo zemi svého původu a nemohli se bez pomoci vrátit nebo se chtěli usadit v jiné zemi. Zásobování převzala americká armáda, která kasárna využívala po roce 1945.

Od jara 1948 byl tábor opraven pro uprchlíky z Východního a Západního Pruska, Pomořanska, Slezska a Sudet. Někdy zde bylo ubytováno až 112 rodin s celkem 410 osobami.

Zadní tábor byl od uprchlického oddělen dřevěným plotem. V tomto tzv. tranzitním táboře žili bezdomovci a sociálně znevýhodnění lidé.

Poslední barák, blok 11, byl zbourán v roce 1968. Bývalý uprchlický tábor v současnosti využívají německé ozbrojené síly a tranzitní tábor Státní úřad pro životní prostředí.

Das Flüchtlingslager Hof-Nord

Nach dem 2. Weltkrieg ergoss sich ein Flüchtlingsstrom von Ost nach West. In Bayern wurden 1,9 Mill. Flüchtlinge und Vertriebene angesiedelt, das entsprach 27,7 Prozent der bayerischen Bevölkerung.

Fast 25 Prozent der heutigen deutschen Bevölkerung stammen aus einer Familie, die Flucht oder Vertreibung erlebt hat. Für diese Menschen und für Einheimische damals eine kolossale Herausforderung. Die Deckung der Grundbedürfnisse überforderte teilweise die Kommunen. Die Hauptmasse der Ausgesiedelten kam 1946 in 764 Transporten aus der ĆSR über Wiesau oder Furth im Wald nach Bayern, später kamen auch Flüchtlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone sowie Spätaussiedler.

Es stellte sich die Hauptfrage, wohin dieser Massenstrom geschickt werden und wie die Menschen lokal verteilt werden sollten. Die Lösung dieser Problematik bestand im Bau bzw. der Schaffung von Hilfsunterkünften für diese entwurzelten, heimatlos gewordenen Menschen.  Teilweise wurde die Menschen auch zwangseinquartiert, unabhängig von der Zustimmung der Wohnungseigentümer, was für zusätzliche Spannungen sorgte.

 

 

Alleine in Hof gab es 15 Massenlager

So wurde auch ab Frühjahr 1948 das 1935 für das deutsche Militär entstandene Barackenlager in der Kulmbacher Straße nun als Flüchtlingslager genutzt. Von 1946 bis Frühjahr 1948 diente das Barackenlager als Unterkunft für jüdische Displaced Persons (DP).

Das gesamte Barackenlager bestand eigentlich aus zwei Lagern, einem Flüchtlingslager, das an der Kulmbacher Straße lag und einem dahinter gelegenen Lager, dem sogenannten Durchgangslager, das von sozial Schwachen genutzt wurde. Beide Lager waren durch einen Lattenzaun getrennt.

Das Flüchtlingslager gehörte zum Zuständigkeitsbereich der Regierung von Oberfranken, das Durchgangslager lag im städtischen Zuständigkeitsbereich.

Das Durchgangslager war ursprünglich 1942 zusätzlich für die sog. „Spanische Division“ (auch „Blaue Division“ genannt) errichtet worden. Sie war eigentlich in Grafenwöhr stationiert gewesen, doch reichte der dortige Platz nicht aus.

Das Barackenlager Hof-Nord bildete nun neue Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene. Zuerst glaubten diese Menschen, dass der Aufenthalt nur vorübergehend sei und sie wieder bald in ihre Heimat zurückkehren könnten.   

Diese Hoffnung schwand Anfang der 1950er Jahre durch die politische Verhärtung der Fronten zwischen Ost und West und der Entstehung des Eisernen Vorhangs. Langsam fand man sich mit dieser Situation ab und richtete sich schweren Herzens auf ein dauerhaftes Bleiben ein. 

Seitens der Stadt war man bemüht, die Wohnungssituation zu verbessern und es entstanden neue Wohnsiedlungen, so dass immer mehr Menschen das Lager verlassen konnten. Dennoch zog sich seine Auflösung bis in das Jahr 1967 hin. Neue Straßennamen und Ortsteile zeugen heute noch von diesen baulichen Anstrengungen.

Literatur zum Lager Nord:

Peter Heidler: Das Lager Hof-Nord 1945-1967. Erinnerungen eines Flüchtlingskindes. Hof 2020

ISBN-Nr. 978-3-9819204-3-7

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