Die Sophienschule
Dank einer rasanten industriellen Entwicklung stieg Hof gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur "Boomtown" in Oberkfranken auf, und die Zahl der Einwohner explodierte förmlich. Im Jahr 1900 drängten sich fast 5.000 Schüler in 69 Volksschulklassen - mehr als in jeder anderen Stadt des Regierungsbezirkes. Trotz intensiver Bautätigkeit vermochte die Stadt des Anstiegs der Schülerzahlen kaum Herr zu werden.
Aus den Schulhausneubauten um die Wende zum 20. Jahrhundert ragt das Jugendstilgebäude der Sophienschule (1898/99) architek-tonisch heraus. An den Halbsäulen der Fassade konnte die Schuljugend fernab von originalen antiken Bauwerken die klassische Säulenordnung dorisch, ionisch und korinthisch kennen lernen.
Wenn Backsteine reden könnten, würden sie viel erzählen: über die Umfunktionierung der Schule in ein Lazarett während beider Weltkriege, aber auch über den Kanonenschuss, der 1920 die Ostfassade traf, als Reichswehr- und Freikorpseinheiten während des Kapp-Putsches das "rote" Hof eroberten. Es blieb beim einzigen Kanonenschuss dieser kurzen Belagerung der Stadt.
- die Sophienschule auf einer Ansichtskarte um 1910, im Vordergrund der Wittelsbacher Park mit dem Kriegerdenkmal 1870/71
Thanks to rapid industrial development, Hof became a ‘boom town’ in Upper Franconia towards the end of the 19th century and the number of inhabitants literally exploded. In 1900, there were almost 5,000 pupils in 69 primary school classes - more than in any other town in the administrative district. Despite intensive building activity, the town was barely able to cope with the increase in pupil numbers.
The art nouveau building of the Sophienschule (1898/99) stands out architecturally from the new school buildings constructed at the turn of the 20th century.
On the half-columns of the façade, schoolchildren were able to familiarise themselves with the classical Doric, Ionic and Corinthian order of columns, far removed from the original ancient buildings.
If bricks could talk, they would tell a lot: about the conversion of the school into a military hospital during both world wars, but also about the cannon shot that hit the east façade in 1920, when Reichswehr and Freikorps units conquered the ‘red’ Hof during the Kapp Putsch. It remained the only cannon shot of this brief siege of the city.
- Sophienschule on a picture postcard from around 1910, in the foreground the Wittelsbacher Park with the 1870/71 war memorial
Díky rychlému průmyslovému rozvoji se Hof koncem 19. století stal v Horních Frankách „městem rozkvětu“ a počet jeho obyvatel doslova explodoval. V roce 1900 navštěvovalo 69 tříd základní školy téměř 5 000 žáků - více než v kterémkoli jiném městě správního obvodu. I přes intenzivní stavební činnost se město sotva dokázalo vyrovnat s nárůstem počtu žáků.
Z nových školních budov postavených na přelomu 19. a 20. století architektonicky vyniká secesní budova Sophienschule (1898/99). Na polosloupech průčelí se školáci mohli seznámit s klasickým dórským, jónským a korintským řádem sloupů, vzdáleným původním antickým stavbám.
Kdyby cihly mohly mluvit, vyprávěly by mnohé: o přeměně školy na vojenskou nemocnici během obou světových válek, ale také o výstřelu z děla, který zasáhl východní fasádu v roce 1920, kdy jednotky Reichswehru a Freikorpsu dobývaly „rudý“ Hof během Kappova puče. Ten zůstal jediným dělovým výstřelem tohoto krátkého obléhání města.
- Sophienschule na pohlednici z doby kolem roku 1910, v popředí Wittelsbacherův park s památníkem války 1870/71.
Sophienschule, Giebelinschrift Schulhaus V (Bauzeit 1898-1899)
Im Zuge der Industrialisierung und des Aufblühens der Textilindustrie wuchs die Einwohnerzahl der Stadt Hof ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in bisher ungeahnter Weise.
Für die relativ junge Bevölkerung mit einer großen Kinderzahl genügte die Neustädter Schule als erstes Volkschulhaus bald nicht mehr. So erbaute man als zweites Schulhaus 1866 das Altstädter Schulhaus (Ecke Marienstraße/Luitpoldstraße). In recht kurzen Abständen folgten 1878 die Pestalozzischule als drittes Schulhaus (heute Altbau der Berufsschule), 1890 die Wilhelmschule als 4. Schulhaus und schließlich 1899 die Sophienschule als fünftes Schulhaus.
Und sie sollte nicht der letzte Schulhausneubau der Gründerzeit bleiben. Da es damals noch nicht üblich war, Volksschulen mit einem Namen zu versehen, begnügte man sich, die Schulhäuser nach der Reihenfolge ihrer Entstehung zu bezeichnen.
Sophienschule, linker Eckrisalit mit griechischer Säulenordnung
Bei der Projektierung gingen Baurat Gottlob Thomas und sein Nachfolger Albert Mollweide in gewohnt sparsamer Weise vor und stießen dabei überraschend auf den Widerstand der Regierung von Oberfranken.
Die vorgesetzte Behörde in Bayreuth lehnte den Entwurf wegen seiner „allzu großen Nüchternheit in ästhetischer Beziehung“ ab: „Da die projektierte Anlage an dem vielbegangenen Weg vom Bahnhof zur Stadt zu stehen kommt und diese überhaupt arm an Objekten ist, die architektonisch oder historisch interessant sind“, so sollte nach Meinung der Regierung „der neue gemeindliche Bau zwar keineswegs in luxuriöser, aber doch gefälliger Weise zur Ausführung gebracht werden.“
Dieses architektonische Verdikt ließ man in Hof nicht auf sich sitzen und möbelte das Gebäude mit Volutengiebeln und neobarocken Balustraden im Dachbereich kräftig auf.
Als besonderen Clou fügte man als Fensterteiler bei den Seitenrisaliten jeweils eine dorische, ionische und korinthische Säule ein, so dass die Hofer Schuljugend die Säulenordnung griechischer Tempel nun auch vor Ort studieren konnte.
Sophienschule mit Turnhalle (rechts) nach 1900
Durch die Revidierung der Bauplanung trat eine Zeitverzögerung ein, so dass das Gebäude nicht mehr rechtzeitig zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 fertiggestellt werden konnte. Nach einer Verlängerung der Ferien konnten dann am 25. September 1899 rund 950 Kinder unter der Leitung von Oberlehrer Anton Lieb die 18 Schulzimmer des knapp 317.000 Mark teuren Baus beziehen.
Turnhalle der Sophienschule
Eine erste Unterbrechung ihrer hoffnungsvollen Entwicklung erlebte die Sophienschule während des 1. Weltkrieges, als sie 1916 in ein Lazarett umgewandelt wurde.
In beinahe kriegerische Ereignisse wurde die Schule im März 1920 anlässlich des sog. Kapp-Putsches gestürzt. Zum Schutz der Reichsregierung riefen auch in Hof linke Arbeiterführer den Generalstreik gegen die Reaktionäre um den ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp aus.
Daraufhin verhängte die rechtsgerichtete bayerische Staatsregierung das Standrecht über das nordöstliche Oberfranken und entsandte Reichswehrtruppen und das Freikorps Chiemgau nach Hof.
Beim Vormarsch auf die Saalestadt erhielt die Sophienschule am 22. März 1920 vom Wartturmberg aus einen Artillerietreffer, der ein Klassenzimmer teilweise zerstörte.
Der Kanonenschuss sollte der „Volkswehr“ als Warnung dienen, die sich in der Turnhalle versammelt hatte. Kurze Zeit später wurde die Volkswehr aufgelöst und die Soldaten und Freikorpsleute rückten wieder ab.
Schule, Lazarett und militärisches Objekt
Auch während des 2. Weltkrieges diente die Schule wieder als Lazarett und ihre Kinder wurden auf die Pestalozzi- und die Schillerschule aufgeteilt. Nach dem Ende des Krieges und der Auflösung des Lazaretts konnten die Volksschüler zunächst nicht in die Sophienschule zurückkehren, da das Gebäude der Berufsschule zur Verfügung gestellt, zum Teil aber auch mit Flüchtlingen belegt wurde. Erst seit 1950 diente die Sophienschule wieder der Unterrichtung von Volksschülern, ohne dass die Berufsschule schon alle Räume freigegeben hatte.
Die weitere innere Entwicklung der Sophienschule lässt sich an zwei Eckpunkten festmachen. Durch die organisatorische Aufteilung der Volksschulen in Grund- und Hauptschulen ab Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts verlor die ursprünglich voll ausgebaute Schule zuerst ihre 7. und 8. Klassen, schließlich auch die verbliebene Teilhauptschule. Gravierender noch wirkte sich die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Hof aus.
Durch den überproportional hohen Zuzug von Menschen mit ausländischen Wurzeln gerade in das Bahnhofsviertel entwickelte sich die Sophienschule zu einer multiethnischen Bildungseinrichtung, die ihre Lehrerschaft vor besondere pädagogische Herausforderungen stellt.
Rund 100 Jahre nach ihrer Erbauung unterzog die Stadt die Sophienschule 1998 bis 2000 einer Generalsanierung.
Um die notwendigen Zuschüsse zu erhalten, ließ man die Schule in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude aufnehmen.
Daraus entstand ein Konflikt mit den staatlichen Denkmalschützern, da das Hofer Bauamt aus Kostengründen Kunststoff- statt Holzfenster in das historische Gebäude einbauen wollte. Da es aber von den ursprünglichen Fenstern keine Planungsunterlagen mehr gab, einigte man sich schließlich auf eine dem Original nahekommende Optik der Kunststofffenster.
Für die Schüler und die Anwohner jedoch viel bedeutender war die anschließende Sperrung der Wörthstraße vor der Schule für den Verkehr und die Umwandlung des gewonnenen Platzes in eine stark frequentierte Freizeit- und Spieloase.






